Minibus im Sudan

Überland vom Sudan nach Äthiopien: El Gadarif nach Gonder

Mit 2 Reisegefährten, die ich im Sudan kennengelernt habe, mache ich mich am frühen Morgen gegen 6 Uhr auf. Startpunkt ist El Gadarif im südlichen Sudan. Wenige Tage später werden dort bei Anti-Regierungs-Demonstrationen 6 Demonstranten durch die örtliche Polizei erschossen. Während unseres Aufenthaltes waren diese Spannungen noch nicht öffentlich wahrnehmbar. Wir haben wohl Glück gehabt.

Von El Gadarif zur äthiopischen Grenze

Von dort nehmen wir einen lokalen Bus (d.h. Pickup mit Sitzbänken auf der Ladefläche) vom Stadtzentrum zur eigentlichen Fernbusstation. Da kaufe ich mir eine Flasche Wasser, weil ich meine beim Falafelmann neben dem Hotel habe stehen lassen. Und schon geht’s auf nach Gallabat, der Grenzstadt. Schon beim Aussteigen werden wir von einer Person empfangen und angehalten uns beim „Security Office“ zu melden. Leider spricht der nicht-uniformierte Herr kein Englisch, sodass er nicht erklären kann, warum seiner Meinung nach alles so schnell gehen muss.

Der Grenzübergang Gallabat/Metema

Wir werden also vom Bus zum „Security Office“ gejagt. Dort wird zum gefühlt 100ten Mal seit meiner Ankunft im Sudan, mein Name und meine Passnummer notiert. Danach geht es zum Zoll, wo unsere Rucksäcke (zum Glück) nur halbherzig kontrolliert werden. Zu guter Letzt geht es zur Stempelstation – natürlich muss erst mal wieder ein Formular mit Namen, Passnummer und weiteren Informationen ausgefüllt werden. Endlich gibt’s den Ausreisestempel und unser „Schatten“ ist verschwunden. Dafür haben wir nun die Geldtauscher an der Backe.

Auf der Brücke über den Grenzfluss, mitten im Niemandsland, tauschen wir unsere letzten paar Sudanesischen Pfund sowie insgesamt 20 USD, um für uns drei den Bus nach Gonder bezahlen zu können.

Wir lassen uns einen Einreisestempel auf unsere Visa geben und beim Zoll unser Gepäck (wieder halbherzig) durchsuchen. Jetzt sind wir offiziell in Äthiopien!

Von Metema nach Gondor

Die rund 2km zur Bustation lassen wir uns mit dem Tuktuk fahren. Dort angekommen (es ist mittlerweile 14 Uhr), der große Schock: der nächste Bus nach Gondor fährt erst morgen wieder. Keiner von uns legt gesteigerten Wert darauf in Metema zu bleiben. Ganz egal wo auf der Welt, ein Grenzort stellt nie den besten Aufenthaltsort eines Landes dar. Wir stehen da, denken und diskutieren bestimmt 10 Minuten. Dann auf einmal spricht uns ein Busfahrer an, dass wir doch seinen Bus nach Shehibi nehmen können. Dort gäbe es dann auch einen Bus nach Gonder.

Wir werden etwas stutzig, da uns ebendieser Fahrer 10 Minuten vorher erzählt hat, dass der nächste Bus nach Gonder erst am nächsten Tag fährt. Und auch sonst hat es keiner der umstehenden Beobachter für nötig gehalten, uns auf diese Möglichkeit hinzuweisen. Vielleicht will er einfach nur seinen Bus voll bekommen. Wir haben Glück und einer der wartenden Fahrgäste spricht Englisch. Er bestätigt, dass wir von Shehibi nach Gonder fahren können. Wir denken uns, dass es schlimmer eigentlich nicht kommen kann und entscheiden uns für die Mitfahrt.

Und es war die richtige Entscheidung: wir befinden uns nach einem kurzen Mittagessen tatsächlich in einem Bus nach Gonder. Nur eine Sache haben wir gleich gelernt. Im Unterschied zum Sudan muss in Äthiopien immer sichergestellt werden, dass der vereinbarte Fahrpreis auch das Gepäck inkludiert. Überhaupt, dass man den Fahrpreis verhandeln muss, ist ungewohnt.

Money, money, money…

4 Busse und 1 Tuktuk später sind pro Person ungefähr folgende Kosten entstanden:

0,50 EUR lokaler Bus in El Gadarif
3,30 EUR Bus El Gadarif nach Gallabat
0,35 EUR Tuktuk zur Busstation in Metema
1,00 EUR Bus Metema nach Shehibi
6,30 EUR Bus Shehibi nach Gonder
11,45 EURSumme

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