Wadi Disah Tabuk Provinz in Saudi Arabien

Tabuk Provinz: Backpacking in Saudi-Arabien

Mit dem Nachtbus komme ich mehr oder weniger ausgeschlafen an einem sonnigen Morgen in Tabuk an. Dort empfängt mich mein Couchsurfing-Gastgeber am Busbahnhof, wir fahren zu ihm nach Hause das Gepäck abladen und gönnen uns ein schnelles Falafel-Sandwich zum Frühstück.

Tabuk Stadt

Nachdem wir gegessen haben, machen wir uns auf den Weg zum Bahnhof der historischen Hedschasbahn (Google Maps). Die rund 1.300 Kilometer lange Bahnstrecke verband im frühen 20. Jahrhundert Damaskus mit der heiligen Stadt Medina und wurde unter osmanischer Leitung errichtet. Nach dem Zerfall des Osmanischen Reiches im Jahr 1920 liegt die Strecke in weiten Teilen still. Historische Bahnhofsgebäude und Streckenabschnitte sind, wie hier in Tabuk, aber weiterhin intakt und können besichtigt werden.

Museum im Bahnhof der Hedschasbahn in Tabuk, Saudi-Arabien
Museum im Bahnhof der Hedschasbahn in Tabuk

Danach stellt uns mein Gastgeber ein paar Kumpels vor, mit denen es nach dem Mittagessen in ein Café geht. Später geht es dann (für uns alle zusammen das erste Mal) in die Burg im Stadtzentrum (Google Maps). Wenige Meter weiter schauen wir dann kurz in die Al Tawba Moschee (Google Maps). Dass der Prophet Mohammed diese im Jahre 630 zum Gebet aufgesucht haben soll, macht sie zu einem besonderen Ort. Allerdings wurde die Moschee seitdem zwei Mal um- bzw. neugebaut.

Roadtrip durch die Tabuk Region

Am nächsten Morgen versuche ich mein Glück bei einer lokalen Autovermietung, die mich mit dem Argument abweist, dass ich zur Miete eine saudische Aufenthaltsgenehmigung benötige. Deswegen mache ich mich direkt auf den Weg zu Budget, wo ich wiederholt keinerlei Probleme habe. Der Toyota Corolla kostet wieder 150 SAR (35 EUR); diesmal inklusive 250 Tageskilometern.

Wadi Disah

Von Tabuk bis zum Ort Ad-Disah (Google Maps) sind es rund 250km und das Tagespensum ist damit aufgebraucht. Das liegt vor allem daran, dass ich einen großen Umweg um das Wadi fahren muss um nach Ad-Disah zu gelangen. Mit Mut, Geschick und einem Allrad-Fahrzeug hätte ich mir auch über die Hälfte der Strecke sparen können. Denn dann ist es möglich, das Wadi in Nord-Süd-Richtung zu durchqueren. Die asphaltierte Straße ist aber nicht durchgehend, weswegen es durch eine Mischung aus Schotter, Sand und Schlamm geht. Im Wadi finde ich mehrere zurückgelassene Fahrzeuge, deren Fahrer unterwegs die flasche Strecke gewählt haben:

Defektes Auto im Wadi Disah, Tabuk Provinz, Saudi-Arabien
Augen auf im Straßenverkehr

Mit dem kleinen Toyota stellt diese Route also keine Option dar. Am späten Nachmittag durchquere ich Ad-Disah und fahre bis zum sprichwörtlichen Ende der Straße (Google Maps). Bis zum Einbruch der Dunkelheit erkunde ich das Wadi und schlage dann mein Nachtlager auf. Das heißt, ich setzte mich ins Auto, stelle den Sitz so weit zurück wie möglich und schließe die Augen. Nachtverkehr herrscht auf der unterbrochenen Straße selbstverständlich keiner. Und wenn es nicht so kalt gewesen wäre, hätte ich sogar gut geschlafen 😆

Camping im Wadi Disah, Tabuk Region, Saudi-Arabien

Catalina Flugzeugwrack

Am darrauffolgenden Tag wandere ich 2 bis 3 Stunden durch das Wadi, falle beim Klettern fast vom Berg und werde anschließend zum Picknick eingeladen.

Dann geht es rund 300km zu dem Wrack eines Wasserflugzeuges vom Typ PBY Catalina des Amerikanischen Herstellers Consolidated (Google Maps). Das Modell wurde im Zeitraum von 1936 bis 1945 produziert.

Einer Geschichte zufolge soll das Flugzeug einem amerikanischem Geschäftsmann gehört haben, der sich zusammen mit seiner Familie in der 1960er Jahren mit seinem Wasserflugzeug auf einer Weltreise befand. Bei einem nächtlichen Überfall wurde das Flugzeug durch Pistolenschüsse beschädigt und lief beim Fluchtversuch auf Grund. Seitdem befindet sich das Wrack an dieser Stelle.

Catalina Flugzeugwrack, Tabik Region, Saudi-Arabien

Das Wrack selbst ist schnell besichtigt und weil die Sicht gut ist, kann ich sogar die ägyptische Sinai-Halbinsel am Horizont erahnen. Da es langsam dunkel wird, entscheide ich mich, direkt am Flugzeug erneut eine Nacht im Auto zu verbringen. Noch bevor ich von meiner Erkundungsrunde wieder am Auto bin, kommt ein Patroullienfahrzeug vom saudischen Grenzschutz und hält neben mir. Beide Seiten stellen schnell fast, das aufgrund der Sprachbarriere keine richtige Kommunikation möglich ist.

Aber statt zu verschwinden bleiben sie mit ihrem Fahrzeug neben meinem Toyota stehen. Hmm… Mit meinem Reisefreund (der glücklicherweise Arabisch spricht) berate ich mich und wir entscheiden, auf Nummer Sicher zu gehen und uns zu erkundigen, ob wir die Nacht vor Ort verbringen können. Sie sagen ja, aber nicht genau am Flugzeug. Dann wird nach dem Reisepass gefragt. Alles prima und ich soll mit dem Auto bitte folgen.

Aber statt uns zu einem geeigenten Übernachtungsplatz zu bringen, finden wir uns auf einmal in der Polizei- bzw. Grenzschutzstation wieder. Es wird erneut nach Pass und Visa gefragt, Kaffee und Wasser wird serviert und nach ungefähr einer halben Stunde bekommen wir die offizielle Erlaubnis am Strand zu campen.

In dunklester Nacht fahre ich also wieder zum Flugzeugwrack und 10 Minuten später steht erneut eine Patroullie am Auto und meint, dass wir dort nicht übernachten können. Wieder sollen wir dem Fahrzeug folgen. Diesmal aber nicht wieder zur Station, sondern zu einem geeigenetn Übernachtungsplatz. Dort wartet ungestörter Schlaf bei angenehmen Temperaturen.

Hätten wir das Schild eher gesehen, hätten wir uns die ganze Aktion sicher gespart:

Verbotsschild am Flugzeugwrack in Tabuk, Saudi-Arabien
Wie gesagt: Augen auf im Straßenverkehr

Wadi Tayib Al Ism

Anschließend geht’s zu den Al Bad Felsengräbern, was im Nachhinein betrachtet planerisch ziemlich doof war. Deswegen mehr dazu erst im nächsten Abschnitt.

Die sinnvoller Weise nächste Station (insofern man denn Lust auf noch ein Wadi hat) ist also das Wadi Tayib Al Ism (Google Maps). Für einen Spaziergang ist es dort sehr schön, im Vergleich zum Wadi Disah aber unspektakulär.

Wadi Tayib Al Ism, Tabuk Provinz, Saudi-Arabien

Die Küstenstraße nördliches des Wadis ist militärisches Sperrgebiet. Leider hat Google Maps das nicht gewusst und wollte uns dort lang schicken. Von Magna aus ist der Weg nach Tayib Al Ism eine Sackgasse und stellt deswegen einen Umweg dar. Die einsamen Strände an der Strecke laden aber zum picknicken ein (dabei aber auf rote Verbotsschilder achten!).

Al Bad Felsengräber

Die Felsengräber in Al Bad (Google Maps) sind ebenfalls einen Abstecher wert. Eine halbe Stunde reichen für eine Runde durchs Gelände. Um den offiziellen Eingang zu finden, brauche ich aber ebenfalls eine halbe Stunde. Denn die veralteten Hinweißschilder leiten mich zu einem verschlossenem Tor. Wenn nicht direkt nebenan eine Militäranlage gewesen wäre, wäre ich einfach über den Zaun geklettert. Nach meiner erfolglosen Suche, verrät ein Blick auf Google Maps, dass es ein modernes Empfangsgebäude mit Parkplätzen gibt. Dort erwartet mich tatsächlich ein geöffnetes Tor und weitere (lokale) Touristen. Der Eintritt ist kostenlos.

Al Bad Felsengräber in der Tabuk Region, Saudi-Arabien

Schiffswrack

Ohne dem unnötigen Umweg aufgrund der gesperrten Küstenstraße, hätte ich noch ausreichend Zeit gehabt, ein Schiffswrack zu besuchen (Google Maps). Da die Zeit aber mittlerweile fortgeschritten ist, hätte ich das nicht mehr bei Tageslicht geschafft. Deshalb breche ich von Al Bad direkt zum Nachtlager in Haql (diesmal ein Hotel) auf. Auch sind bis dahin schon sämtliche Inklusivkilometer verbraucht.

Am folgendem Morgen muss ich früh starten um die 230km nach Tabuk zurücklegen, damit ich den 10-Uhr-Bus nach Ha’il bekommen kann.

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