Simien Mountains Panorama

Simien Mountains ohne teure Pauschal-Tour

Ich bin kein großer Wandersmann und habe nie auch nur ins Auge gefasst, einen Ausflug in die Simien Mountains zu unternehmen. Ein paar Fotos und das Ein oder Andere motivierende Wort meines derzeitigen kanadischen Reisepartners genügen und ich bin überzeugt, mir diese Szenerie nicht entgehen zu lassen.

Tour oder keine Tour – das ist hier die Frage

Der „normale“, weil sehr einfache, Weg für eine Tour in die Simien Mountains ist ein Pauschalangebot für welche es zahlreiche Anbieter gibt. Dafür muss man sich je nach Angebot aber auch um wirklich nichts mehr Sorgen machen:

  • das Gepäck wird transportiert,
  • für das leibliche Wohl ist gesorgt
  • der Transport wird organisiert und
  • Scout sowie Guide sind inklusive.

Das Hauptargument gegen eine solche Tour sind in jedem Fall die Kosten. Selbst ein Angebot mit nur einer Übernachtung in den Bergen schlägt mit 150 USD pro Person zu buche. Mit guter Verhandlungsgabe lässt sich das sicher noch etwas reduzieren – dreistellig bleibt es aber in jedem Fall.

Deshalb stellt sich gar keine Frage: Es wird selbst organisiert.

Die Anreise nach Debark aus Gonder

Nicht leichter als das. Vom Hotel geht es am Morgen in Richtung Busbahnhof. Auf dem Weg dorthin werden wir schon fast in einige Busse hineingezogen. Aber Geduld zahlt sich aus. Statt den ersten Bus mit dem ersten Angebot (150 Birr / 4,60 EUR) zu nehmen, zahlen wir für die Fahrt am Ende 50 Birr (1,50 EUR). Erstaunlicher Weise zahlen auch Einheimische ohne Gepäck den selben Preis. Wir haben einen wirklch guten Deal ausgehandelt 😎

Paviane im Simien Mountains NP
Paviane im Simien Mountains Nationalpark

Buchungsprozess im Nationalpark-Büro

Hier wird’s schwierig. Nicht weil irgendetwas an dem Verfahren kompliziert ist, sondern, weil die Mitarbeiter alles daran setzen, es so kompliziert (und teuer) wie möglich zu machen.

Daher: Unbedingt gut vorbereitet erscheinen.

Wanderroute planen

  • Tag 1: Nationalpark-Eingang nach Sankabar
  • Tag 2: Sankabar nach Geech
  • Tag 3:
    • Option A: Geech zurück nach Debark
    • Option B: Geech nach Chenna
  • Tag 4: Chennak zurück nach Debark

Scout, Guide, Koch, … Alles was das Herz begehrt

Ein Scout oder Ranger ist Pflicht – ohne darf kein Tourist in den Park. Dafür sind 400 Birr (12,60 EUR) pro Tag zu berappen. Ein Scout kann für eine Gruppe von bis zu fünf Personen genutzt werden. Dieser trägt eine Waffe bei sich und vielleicht noch eine Decke für die Nacht. Außerdem kennt er den Wanderweg durch den Nationalpark. Zumindest unser Scout scheint zu erwarten, dass wir ihn verpflegen – worauf wir nicht unbedingt vorbereitet waren.

Sonst gibt es einzeln buchbar sämtliche Annehmlichkeiten, die auch bei einer Pauschaltour zur Verfügung stehen: Guides, Köche, Maultiere, Maultier-Führer. Eine Preisliste hängt aus.

Wir entschließen uns für die Sparvariante (wie auch sonst 😆 ) und buchen nur einen Scout.

Matratzen, Schlafsäcke, usw.

Nicht im Nationalpark-Büro selbst sondern auf der Hauptstraße an einem grünen Container befindet sich der Materialverleih. Ich selber (wie bereits erwähnt: kein Outdoor-Typ) habe keinerlei Camping-Equipment dabei. Da das zu verleihende Material dem genauen Gegenteil von ultra-leicht und ultra-kompakt entspricht, entscheide ich mich für die Minimalaustattung: Schlafsack und Decke. Damit ist mindestens mein halber 45-Liter-Rücksack gefüllt.

Wer wie ich nicht zeltet, kann für 120 Birr (3,70 EUR) in Community Lodges unterkommen. Mehr als ein Dach über dem Kopf (aber inklusive Bettdecke!) ist dort natürlich nicht zu erwarten:

Community Lodge Simien Mountains Nationalpark in Sankabar
Community Lodge in Sankabar

Alles fertig? Der Gang zum NP-Büro…

… ist nichts für schwache Nerven. Ursache dafür ist die „Taxi-Mafia“, deren Vorgehensweise hier sehr anschaulich beschrieben ist.

Den Lügenbaron loswerden

Bevor überhaupt irgendwann mal ein Mitarbeiter erscheint, werden wir schon auf dem Weg zum sowie im Büro von einem Typen belagert. Dieser versucht uns Transport zum und vom NP aufzudrängen. Er lässt sich beim besten Willen nicht los werden, hat aber auch auf die Frage, wer er sei und was seine Funktion ist, keine befriedigende Antwort parat. Er versucht uns einzureden, ein Guide sei obligatorisch. Als wir auf den englisch-sprachigen Aushang mit den Parkregeln verweisen, lässt er zumindest dieses Thema gleich wieder fallen. Dort steht schwarz auf weiß, dass in unserem Fall außschließlich der Ranger ein Zwang ist.

Den inoffiziellen Transport-Zwang umgehen

Irgendwann erscheint dann eine Dame am Tresen und wir erläutern unseren Plan: Drei Tage bis Chennak und dann am vierten Tag zurück. Ja, und wir kommen wir zurück? Den Bus schließt sie (ohne das wir ihn mit einem Wort erwähnen) von vornherein aus. Den gibt es angeblich nicht. Wir weigern uns ein Auto zu buchen und so geht es einige Zeit hin und her.

Die Frau will uns nicht erlauben uns selbsstständig um unsere Rückreise kümmern zu lassen – angeblich aus Sorge… Da wir nahezu überhaupt keine Lust mehr haben, überhaupt noch in den Park zu gehen, entscheiden wir uns für den Weg des geringsten Widerstandes:

Option A: Wir sagen, dass wir von Chennak nach Debark zurück wandern werden. Auf kürzestem Weg werden dafür 2 Tage veranschlagt. Statt der geplanten 4 Tage bezahlen wir also einen fünften Extratag nur um der Sache ein Ende zu bereiten.

Option B: Wesentlich schlauer wäre es gewesen zu lügen. Wir hätten die geplante Route um eine Etappe kürzen können: Wir hätten gesagt, wir wandern nach Geech (2 Tage) und „laufen“ dann 2 Tage zurück. Damit hätten wir unsere 4-Tage-Tour zusammen gehabt. Wie wir später erfahren, erhält der Scout nämlich keinerlei Information über unsere geplante Route.

Am Ende bezahlen wir also einen Scout für 5 Tage und gehen entnervt zum Hotel.

Wasserfall im Simien Mountains Nationalpark
Atemberaubende Natur im Nationalpark

Den öffentlichen Transport nutzen

Entgegen aller offiziellen Aussagen, besteht natürlich öffentlicher Transport zum und sogar im Simien Mountains Nationalpark. Wie sonst würden die dort lebenden Menschen in die Stadt kommen? In dieser Region Äthiopiens ist privater Transport nahezu nicht-existent.

Nach unserem frustrierenden Besuch im NP-Büro, sprechen wir zwei oder drei Tuktuk-Fahrer an. Einer erklärt sich bereit, uns am nächsten Tag um 9 Uhr vom Hotel abzuholen. Für 300 Birr (9,30 EUR) fährt er uns bis (fast) zum Eingang des Nationalparkes. Beziehungsweise hätte uns gefahren, wenn sich zwei Mädels nicht unser Tuktuk weggeschnappt hätten 😡 Hinter dem Busbahnhof finden wir aber ein neues. Unser Scout wusste bescheid, wie die Sache läuft.

Für den Rückweg planen wir den öffentlichen Bus zu nutzen. Offizielle Informationen zu diesem finden sich aus genannten Gründen keine. Vermutlich fährt er am Morgen gegen 8 Uhr in Chennak los in Richtung Debark. Da sich Geech (im Gegensatz zu Sankabar und Chennak) nicht in der Nähe der Straße befindet, dürfte es von dort nahezu unmöglich sein, diese pünktlich zu erreichen.

Natürlich besteht auch die Möglichkeit, sich einer anderen Gruppe anzuschließen und deren privaten Transport mitzunutzen. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird der Fahrer aber aus dieser Situation einen Nutzen ziehen wollen. Die Denkweise, dass das Auto ja bereits bezahlt ist und man sich die Kosten mit der Gruppe teilt, wird nicht funktionieren

Guide im Simien Mountains Nationalpark
Unser Scout führt uns durch die Simien Mountains

Aber am Ende kommt alles anders

Nachdem am ersten Tag alles super käuft: Unser Guide ist pünktlich, wir finden ein Tuktuk (nachdem unseres geklaut wurde) und wir haben einen angenehmen Wandertag nach Sankabar. Auch am nächsten Tag geht es planmäßig los. Dann aber nach den ersten Kilometern fange ich an, mich schlecht zu fühlen und auch Pausen bringen nicht die notwendige Besserung. Irgendwie schaffen wir es gerade zum Sonnenuntergang noch in Geech anzukommen, auch dank der Hilfe unseres Scouts, der meinen Rucksack trägt (und dafür natürlich ein ordentliches Trinkgeld bekommt).

Weder kann ich mein Unwohlsein genauer beschreiben, noch was die Ursache (Höhe, Anstrengung?) dafür war. Ich habe mich allgemein schlecht, aber eigentlich nicht erschöpft gefühlt und konnte mich nur noch im Schneckentempo bewegen.

Deshalb entscheide ich mich dazu, mich 2 Mädels (den Tuktuk-Dieben!) anzuschließen. Diese fühlen sich auch nicht sonderlich Wohl und wollen ebenfalls den kürzesten Weg nach Debark einschlagen.

Da sich Geech als einziger Wegpunkt entlang des Trekking-Pfades nicht an der Straße befindet, ich mich aber wirklich nicht wohl fühle, lasse ich mich von einem Muli (400 Birr / 12,30 EUR) bis zur Straße bringen. Dort werden wir von einem Auto abgeholt, um das sich der Guide einer anderen Gruppe am Vortag für uns gekümmert hat. Die Kosten belaufen sich auf insgesamt 1500 Birr (46,30 EUR) für alle zusammen. Mit etwas Verhandlungsgeschick hätte sich da gewiss auch noch etwas machen lassen – aber dazu hat sich niemand in der Lage gefühlt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.