Blick über Algier von der Kasbah

Im Gassen-Wirrwarr der Kasbah Algier

Die Kasbah ist – wie ganz Algier, oder eigentlich das ganze Land Algerien – kein typisches Touristenziel. Aber wer sich einmal nach Algier verirrt, sollte einen Besuch der Altstadt aus dem 16. Jahrhundert auf dem Plan stehen haben. Dieses UNESCO Weltkulturerbe ist Heimat für die arme Bevölkerung. Es ist dreckig, riecht oft streng und die Gebäude verfallen. Vermutlich nur aufgrund dieser Eindrücke wirst du auf Tripadvisor viele Hinweise finden, die von einem Besuch ohne einheimische Begleitung abraten. Ich habe mich trotzdem allein auf den Weg gemacht und wurde ausschließlich positiv überrascht.

Wie komme ich zur Kasbah?

Ich beginne meinen Ausflug an der Neuen Moschee (Jamaa al-Jadid) unweit der Ubahn-Station place des martyrs. Da ich aber nicht alle Straßenszenen auf einer Reise unter der Erde verpassen möchte, gelange ich dorthin zu Fuß. Von der Großen Post (Grande Poste) brauche ich ungefähr 20 Minuten.

Was gibt es in der Kasbah Algier zu sehen?

Zum Anfang mache ich mich auf zur Ketschawa-Moschee, die sich zum Zeitpunkt meiner Reise im Sommer 2017 in Restaurierung befindet. Die im 17. Jahrhundert erbaute Moschee wurde von den Franzosen später in eine katholische Kirche konvertiert. Seit der algerischen Unabhängigkeit im Jahre 1962 wird sie wieder als Moschee genutzt. Vor Allem jetzt nach der Renovierung stellt sie ein sicher imposantes Fotomotiv dar. Dort werde ich von einigen mehr oder weniger seriös aussehenden Leuten angesprochen, die mir offensichtlich eine Führung anbieten wollen. Die Option erledigt sich aber aufgrund meiner fehlenden Französisch- und Arabischkenntnisse ziemlich schnell.

Ketschawa-Moschee, Kasbah, Algier, Algerien
Hier geht’s los. Im Hintergrund die Ketschawa-Moschee.

Ein paar Schritte weiter, an den ersten Müllstapeln vorbei, erreiche ich einen maurischen Palast, den Dar Mustapha Pacha. Für ein kleines Eintrittgeld erhalte ich Einblick in dieses gut erhaltene und gepflegte Gebäude aus dem Jahre 1799. Es beinhaltet ebenso ein Kalligraphiemuseum.

In den oft engen Gassen verlaufe ich mich schnell, da ich aber nicht unter Zeitdruck stehe, ist mir das egal. Irgendwie macht das gerade den Reiz aus. Nur manchmal wünsche ich mir, einen Führer dabei zu haben, der mir Details der sicher abwechslungsreichen Geschichte der Kasbah erzählen könnte.

 

Kasbah, Algier, Algerien

Überraschung – Auf einmal doch nicht mehr allein

Nachdem ich nun schon eine ganze Weile unterwegs bin, bleibe ich an einer besonders schönen Stelle stehen, um ein paar Fotos zu machen. An den – für die Kasbah – sehr gut gepflegten Fassaden und Vordächern ranken sich grüne Blätter und es sieht beinahe schon touristisch aus. Das muss auf jeden Fall festgehalten werden! Ein breit grinsender Algerier kommt gerade aus einer Werkstatt (oder Atelier), sieht mich und kommt auf mich zu. Nachdem ich kein Wort seiner französischen Ansprache verstanden habe, fragt er mich in holprigem Englisch, ob ich denn nicht mal aufs Dach der Werkstatt möchte.

Neben einem Huhn – ja auf dem Dach lebt ein Huhn – erwartet mich der wohl atemberaubendste Blick, den man über die Altstadt haben kann.

Und als wäre das nicht schon erfreulich genug, lädt mich mein neuer „Freund“ auch direkt zu Mittag ein, obwohl ich intensiv versuche, ihm zu verstehen zu geben, dass ich gar nicht viel Hunger habe. Mit Hilfe von Google Translate führt er mich noch ein Stück weiter bergauf zum Dey-Palast (Palais du Dey), der ebenfalls wegen Renovierungsarbeiten geschlossen ist. Danach geht es wieder zur Küste, wo ich den Fischerhafen gezeigt bekomme. Von einem freundlichen Fischer werden wir sogar auf 2 Boote gelassen.

Nachdem wir eine knappe Stunde zusammen verbracht haben, heißt es für mich Tschüss zu sagen – auch zu Algier. Denn ich mache mich auf den Weg zum Flughafen. Am Abend will ich noch in Ghardaia ankommen.

2 Kommentare

  1. Esther
    15. Juni 2018

    Hex Felix,
    ich war im November auch in der Kasbah unterwegs, allerdings mit Führer. Uns hatte man gesagt, dass man als Tourist ohne Begleitung/Führer/Einheimischen mit Lizenz gar nicht die Kasbah betreten darf (Sicherheitsgründe).
    Habe mich sehr über Deinen Beitrag gefreut!
    LG Esther

    1. Felix
      16. Juni 2018

      Hey Esther,
      ich war mir anfangs auch unsicher. Allerdings war ich am Tag davor mit einem Couchsurfer aus Algier unterwegs, der mir nahe gelegt hat, in der Kasbah vorbei zu schauen. Es war auf jeden Fall ein Erlebnis 🙂 Das nächste Mal würde ich aber mit einem Führer gehen, einfach nur um auch etwas zur Geschichte zu erfahren.
      Grüße, Felix

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