Marktplatz in El Atteuf, Ghardaia, Algerien

Ghardaia – Märchenstadt in der algerischen Sahara

Heute geht es nach Ghardaia, dem Zentrum Algeriens. Auf die Idee bringt mich die Einladung eines Couchsurfers, der meine Suchanfrage nach einem Gastgeber in Algier gelesen hat. Ich frage Tante Google nach ein paar Fotos und sofort steht fest: Da muss ich hin.

Anreise nach Ghardaia

Per Flugzeug in die Sahara

Nach einem erlebnisreichen Tag in Algier hole ich gegen 15:30 Uhr mein Gepäck im (nicht gerade empfehlenswerten) Hotel Suisse ab. Nach 5 Minuten Fußweg erreiche ich den Place Audin, von wo aus halbstündlich ein Bus zum Flughafen fährt. Je nach Verkehrssituation dauert die Fahrt ungefähr 40 Minuten und kostet 50 Dinar (~ 30 Cent). Alternativ kostet ein Taxi 1500 Dinar und damit immer noch weniger als 10 Euro.[adsense_amp]

Der Check-In am Flughafen läuft wie zu erwarten chaotisch – aber für algerische Verhältnisse äußerst normal – ab. Es herrscht etwas gereizte Stimmung. Als Ursache dafür mache ich das nichtfunktionierende Transportband aus. Die Schlangen an den Schaltern verlaufen immer mehr zu einer einzigen Menschentraube, in der jeder versucht, mal ganz vorn zu stehen. Nach einer Viertelstunde fahren die Koffer wieder über das Band. Irgendwie arbeite ich mich zum Schalter vor und halte nach kurzer Zeit und ein wenig Körpereinsatz mein Ticket in der Hand.

Mir Air Algerie geht es – entgegen aller Voraussagen meiner algerischen Freunde – sehr pünktlich in einer Propellermaschine 600km südlich nach Ghardaia. Der Flug hat mich weniger als 40 Euro gekostet und ist damit eine sehr gute Alternative zur 10stündigen Busfahrt.

Air Algerie am Flughafen in Ghardaia, Algerien
Flughafen in Ghardaia

Halt! Stopp! Polizei!

Im Flughafen angekommen bekomme ich die obligatorische Ankunftskarte in die Hand gedrückt. Ohne sie auszufüllen gehe ich weiter und rufe meinen Couchsurfing-Host an. Der war sich über meine verspätete Ankunft so sicher, dass er mir sagt, noch 10 Minuten zu brauchen. Ich mache mich daran, das Gebäude zu verlassen, als mir ein wild gestikulierender Polizist verdeutlicht, dass ich warten solle. Pflichtbewusst fülle ich nun doch meine Ankunftskarte aus und überreiche sie dem erscheinenden anderen Polizisten. Der frag mich – Überraschung! – in gutem Englisch, wie ich denn vor habe in die Stadt zu kommen. Ich erkläre, dass mich gleich ein Freund abholen kommt. Worauf hin er mir erklärt, dass er zu meiner Sicherheit ein paar Daten von ihm aufnehmen müsse.

Also bleibt er neben mir stehen und gemeinsam warten wir wenige Minuten auf meinen Host, der mit einem Freund erscheint. Nachdem der Polizist die Daten seines Ausweises und der Fahrzeugpapiere aufgenommen hat, kann das Abenteuer beginnen.[adsense_amp]

Nächtliche Stadtrundfahrt

Es ist 20:30 Uhr und wir fahren mit dem Auto in Richtung Stadt. Genauer gesagt handelt es sich bei Ghardaia nicht um eine Stadt, sondern um 5 eigenständige und von Stadtmauern umgebene Städte (Ksars) in einem Flusstal – dem M’Zab. Eine davon ist das namensgebende Ghardaia. Nach ihr ist auch der Wilaya (Bundesstaat) benannt. Im Zentrum eines jeden Ksars thront eine Moschee.

Beim Einfahren in die Stadt passieren wir einen Polizei-Checkpoint. Anfangs ist mir die sehr starke Polizeipräsenz suspekt. Im Zentrum steht an fast jeder Kreuzung ein Polizei-Van, davor gelangweilte Polizisten, die mit ihren Handys spielen. Hintergrund sind die vor wenigen Jahren aufgetretenen Konflikte zwischen dort lebenden Berbern und Arabern. Für nähere Informationen gibt es hier einen Artikel der NZZ aus dem Jahr 2015. Bis auf die allgegenwärtige Polizei macht sich das aber aktuell laut meinen Gastgebern nicht bemerkbar.[adsense_ia]

Wir halten an einigen erhöhten Punkten, von wo aus ich die gesamte Stadt überblicken kann. Nach mehr als einer Stunde Rundfahrt werde ich zum Abendessen in ein Restaurant eingeladen und bekomme üppig aufgetischt. Anschließend fahren wir in ein Café direkt am Flusstal, wo ein angenehmes Lüftchen weht. Es gibt Eis, Tee und eine viel zu starke Shisha. Dort treffen wir noch mehr Freunde mit leider sehr eingeschränkten Englischkenntnissen. Spaß gibt es trotzdem genug.

Gegen 1 Uhr sind wir dann in der Wohnung und gehen, nachdem ich ein paar frische Datteln gekostet habe, schlafen.

24 Stunden Ghardaia

Schon um 7 klingelt der Wecker. Ich bekomme Frühstück mit frischen Datteln, Melone, Brot, Butter und Marmelade serviert. Kaffee, Tee sowie hausgemachte süße Leckereien fehlen natürlich nicht. Gleich darauf geht es mit dem Auto zum Startpunkt meiner perfekt organisierten Tagestour. Bis heute weiß ich nicht, wie und wann mein Gastgeber alles in die Wege geleitet hat.

Wir beginnen unseren Tag mit einer kleinen Runde über den Markt des Ksars Ghardaia. Von dort fahren wir weiter in Richtung Osten nach El Ateuf. Ich bin überrascht, wie lang sich das besiedelte Gebiet durch das Flusstal zieht.

Marktplatz in Ghardaia, Algerien
Marktplatz in Ghardaia gegen 8:30 Uhr am Morgen

El Ateuf

Da mein Host selbst kurz auf Arbeit muss, setzt er mich am Stadttor zur El Ateuf ab, wo mich ein Führer erwartet. Gleich zu Beginn stellen wir große Kommunikationsprobleme fest. Er spricht Arabisch, Berber, Französisch und Italienisch; ich nur Deutsch und Englisch. Kurzerhand ruft er einen Bekannten an, der innerhalb weniger Minuten vor Ort ist. Ich schätze ihn auf 70 Jahre. Überschwänglich werde ich auf Deutsch begrüßt. Erscheinung und Art erinnern mich ziemlich an Dschafar aus Aladin – Gruselfaktor inklusive. Statt der Bitte meines Führers zum Übersetzen nachzukommen, lädt er uns auf einen Tee zu sich nach Hause ein. Sämtliche Versuche den älteren Herren zum Übersetzen zu animieren, werden durch Geschichten über seine Jahre in Deutschland unmöglich gemacht.

Nachdem wir die Kanne Tee gelehrt haben, erkenne ich die Erleichterung im Gesicht meines Guides. Endlich geht es los, denken wir beide. Aber vorher sollen wir uns unbedingt noch das Kellergeschoss von Dschafars Haus anschauen. Dort befinden sich 5 weitere Zimmer, in denen eine angenehme Temperatur herrscht. Die Außentemperaturen erreichen mittlerweile mehr als 40 Grad.

Wir setzen uns nun doch in Bewegung und laufen durch die Stadt. Durch die engen Gassen und sandfarbenen Häuser fühle ich mich wie in der Filmkulisse zu Aladin. Da Dschafar auch schon da ist, passt das sehr gut. Auffällig ist die Kleidung vieler verheiratete Frauen in den Ksars. Diese tragen einen Haik: Einen weißer Umhang, aus dem sie nur mit einem einzigen Auge herausschauen. Ich komme aus dem Staunen nicht heraus.

Zum Abschluss unseres Rundganges besichtigen wir die Sidi Brahim Moschee. Daraufhin warte ich am Stadttor darauf, dass ich wieder abgeholt werde.

Beni Isguen in der Mittagshitze

Zusammen mit dem Freund meines Gastgebers, der wieder zu mir gestoßen ist, fahre ich nach Beni Isguen. Mit seiner Gründung im 14. Jahrhundert handelt es sich um das älteste Ksar im M’Zab. Am Stadttor erwartet uns schon der Stadtführer. Der spricht zwar wieder kein Englisch, was aber diesmal nicht stört, da ich nicht allein bin und alles fleißig übersetzt bekomme.

Die engen Gassen Beni Isguens sind beinahe menschenleer, da die Temperatur immer weiter steigt. Da es auch uns zu warm wird, legen wir nach der Führung eine Mittagspause im klimatisierten Gästezimmer der Großeltern (die ich nicht kennenlerne) ein und fahren am späten Nachmittag fort.

Tafilalet

Moderne und Tradition vereint

Ein komplett anderes Erlebnis erwartet mich in Tafilalet, einer nachhaltig konzipierten Stadt, nach dem Vorbild der historischen Ksars errichtet. Auch sie wird durch ein verschließbares Stadttor betreten, das dahinterliegende Straßennetz ist aber breit genug, um mühelos mit einem Auto benutzt werden zu können. Nach einer kleinen Runde besichtigen wir ein Musterhaus. Wieder erstaunt mich die angenehme Innentemperatur am meisten. Ein Blick vom Turm des Stadttores gewährt einen grandiosen Überblick.

Kurze Unterbrechung

Wie schon bei der Planung des Tagesablaufes scheine ich einige Telefonate, die mein Gastgeber geführt hat, verpasst zu haben. Denn plötzlich taucht ein überaus freundlicher Polizist in zivil auf. Dieser stellt sich vor, versichert mir mehrmals, dass es keinerlei Probleme gibt und alles nur zu meiner Sicherheit sei und fragt nach meinem Reisepass. Nachdem er nochmals alle Daten von Visum und Pass aufgenommen und sich meine weiteren Reisepläne notiert hat, verabschiedet er sich freundlich und wir sind wieder allein. Seltsam.

Zoo von Tafilialet

Weiter geht es in einen Garten, in dem erstaunlich moderne Tierskulpturen, hergestellt aus bunt lackierten Maschinenteilen, darauf warten, bestaunt zu werden. Es ist der Eingang zum Zoo Tafilalets. Ein paar Meter weiter gibt es die ersten Tiere zu sehen: verschiedenste Rassen Hühner. Weiter gibt es Ziegen, Esel, Affen und einiges mehr zu bestaunen. Der Park wurde mit viel Liebe zum Detail gestaltet und ist mehr als schön anzusehen. Aber ob dabei immer an das Tierwohl gedacht wurde, wage ich zu bezweifeln. Immerhin befinden wir uns in der Wüste – wahrscheinlich nicht der geeignetste Ort für einen Zoo.

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Die einzigen englischsprachigen Informationen über diese Stadt habe ich in diesem Blogbeitrag gefunden. Für nähere Informationen ist er in jedem Fall einen Blick wert.

Mutti’s Hausmannskost

Am Abend bekomme ich als krönenden Abschluss meines (zu) kurzen Aufenthaltes ein köstliches hausgemachtes Essen aufgetischt. Danach werde ich in die Kunst der Teezubereitung eingeweiht, weshalb wir am Ende wieder sehr spät schlafen gehen.

Abendessen bei meinem Couchsurfing-Host in Ghardaia, Algerien
Abendessen bei meinem Couchsurfing-Host

Weiter nach Oran

Am nächsten Morgen stehen wir um 6 Uhr auf. Nach dem Zähneputzen geht es für ein kleines Frühstück in ein Café und danach werde ich in den Flughafen gebracht. Von dort fliege ich über Algier weiter nach Oran, dem Hauptziel meiner Algerienreise. Dort besuche ich Freunde, die ich während meines ersten Besuchs in Algerien kennengelernt habe.

Ghardaia werde ich als einen der interessantesten Orte, die ich je gesehen habe, im Gedächtnis behalten. Alles, was es über eine Algerienreise zu wissen gibt, habe ich in diesem Beitrag zusammengefasst.

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