Isfahan

Couchsurfing im Iran – Verrückt, oder was?

Couchsurfing ist die Möglichkeit ein Land und seine Leute kennenzulernen. Aber im Iran? Geht das überhaupt? Und wie! Ich habe es mit 2 sehr unterschiedlichen Gastgebern probiert und bin immer noch begeistert.

Die Familie

Ankunft – Gar keine Couch?

Angekommen am Busbahnhof in Isfahan rufe ich den Sohn meiner Gastfamilie an, der mich innerhalb weniger Minuten an der Haltestelle aufsammelt. Diese Minuten reichen, damit die auf Kundschaft wartenden Taxifahrer in einen lautstarken Streit verfallen. Jeder möchte wohl ein paar Rial am Europäer verdienen. Dann ist Ali zum Glück schon da. Nach einer kurzen Fahrt sind sind wir zu Hause, wo mich Mutti, Vati und 2 Töchter erwarten. Und dann wird erst mal gekocht. Nach dem Abendessen – mit vegetarischer und nicht-vegetarischer Variante – geht es ans Erzählen: Wie ich denn den Iran fände und die Menschen. Ich solle unbedingt in Deutschland erzählen, wie schön es ist und mit Freunden wieder kommen. Facebook ist hier eigentlich gesperrt, aber man findet trotzdem Wege es zu nutzen. Man hat Träume im Ausland zu studieren oder zu arbeiten. Und, und, und. So geht es stundenlang.

Über meinen Schlafplatz bin ich dann aber mehr als erstaunt: Ich bekomme mein eigenes Zimmer, während sich die anderen 5 auf drei Zimmer verteilen. Iranische Gastfreundlichkeit halt.

Der nächste Tag

Obwohl wir uns ausgemacht hatten, dass ich möglichst früh auf Sightseeing-Tour gehen sollte, warte ich nach dem Aufwachen noch eine ganze Weile. Im Wohnzimmer ist es noch verdächtig ruhig und ich will dort niemanden aufwecken. Gegen um 9 ist mir das dann nicht mehr ganz so wichtig, denn es ist immerhin mein einziger Tag in der Stadt. Als ich aus der Dusche komme, ist die Wohnung plötzlich voller Leben. Mutti ist dabei das Frühstück vorzubereiten und der Sohn wird zum Bäcker geschickt. Natürlich warte ich das ab und bin erneut von Gastfreundlichkeit und Essen begeistert. Nun aber los. Nichts da! Mutti kocht schon Mittag und ich werde angehalten doch noch mit zu essen. Ich will nicht unhöflich sein und bleibe. Belohnt werde ich, wie schon die letzten beiden Male, mit einem vorzüglichem Essen.

Jetzt aber. Wirklich! Schon sitze ich im für mich bestellten Taxi. Was heißt schon: Es ist immerhin 14 Uhr. Keiner meiner Gastgeber hat Zeit mich zu führen. Aber immerhin habe ich eine exakte Beschreibung von dem bekommen, was ich mir anschauen sollte. Da ich nur wenig Zeit habe, ist das sehr hilfreich. Wie schön es in Isfahan und an anderen Orten ist, steht übrigens im Beitrag über den Iran. Ich bin bis nach Einbruch der Dunkelheit unterwegs, um noch ein paar schöne Fotos zu schießen. Für meinen Rückweg habe ich die Adresse meiner Gastfamilie auf Persisch im Handy abgespeichert, welches ich nun einem Taxifahrer unter die Nase halte. Auch der verwickelt mich während der Fahrt in ein Gespräch. Die Englischkenntnisse der Iraner überraschen mich immer wieder.

Wieder zurück bei meiner Gastfamilie wundere ich mich schon gar nicht mehr darüber, dass Mutti sofort anfängt zu kochen. Das geschieht wie immer in zwei Varianten: eine mit und eine ohne Fleisch. Denn eines der Mädels ist Vegetarierin. Nach dem Essen kaufen wir für mich online noch ein Busticket für den nächsten Tag. Ziemlich spät geht’s dann wieder schlafen.

Weiter geht’s

Am nächsten Morgen ist die Sektion Wohnzimmer schon eher wach als ich. Nach der letzten Portion iranischer Hausmannskost zum Frühstück, muss ich leider an meine Weiterreise denken. Ali ist so freundlich und bringt mich, genau so pünktlich wie er mich auch abgeholt hat, zurück zum Busbahnhof.

Alter Bus in Yazd, Iran
Transport im Iran: So zum Glück nie für mich

Die Mädchen-WG

Nicht so ganz erlaubt

Von meiner nächsten Gastgeberin werde ich schon im Vornherein um Diskretion gebeten. Eine Bewertung solle ich auf keinen Fall schreiben. Gesellschaftlich akzeptiert ist das wohl eher nicht: ein (noch dazu ausländischer) junger Mann übernachtet in einer Mädchen-WG. Sie selbst – es ist nur eine der beiden Mitbewohnerinnen da – ist weit aufgeschlossener, als man es von einer Iranerin erwartet; zumindest als ein mit Vorurteilen behafteter Europäer.

Am frühen Morgen kommt der Zug gegen 8 mit einer halben Stunde Verspätung an. Ich werde bereits erwartet. Wir nehmen uns ein Taxi und halten unterwegs an, um frisches Fladenbrot zu holen. In der Wohnung angekommen gibt es Frühstück und wir kommen ins Gespräch. So sieht ein guter Start in den Tag aus und ich fühle mich wieder sofort herzlich Willkommen.

Unterwegs in der Stadt

Mein Couchsurfing-Host hat nicht nur über die ganzen 2 Tage, die ich dort bin, Zeit für mich, sondern hat sich auch noch super auf meinen Besuch vorbereitet. So weiß sie schon genau, welche Orte und Sehenswürdigkeiten sie mir zeigen wird. Ich befinde mich übrigens in einer kleineren Stadt in der Nähe von Teheran. Nach den ersten Besichtigungen essen wir schon wieder. Anscheinend eine der Lieblingsbeschäftigungen aller Iraner. Während wir im traditionellen Restaurant stilecht auf einem Teppich sitzend unser Essen erwarten, ruft sie einen Freund an. Kaum sind wir mit dem Essen fertig, kommt der mit seinem Auto an. Das gestaltet die weiteren Besichtigungen für den Tag sehr entspannt.

Abends zurück in der Wohnung lerne ich, dass sich die Kochkünste meiner Gastgeberin eher auf das Level „Erwärmung von Fertiggerichten“ erstrecken. Lecker ist’s trotzdem und allzu lange Wartezeiten erspart es uns auch. Trotz vorhandenem Bett, das als Kleiderablage dient, wird auf dem Boden geschlafen. Auf einer weichen Matratze ist das aber nicht unbequemer als sonst.

Auch am nächsten Tag werde ich wieder geführt – mit wunderbaren Essenspausen, dem Besuch eines Museums, eines Marktes und vielen interessanten Gesprächen. Wenn der erste Couchsurfing-Aufenthalt schon perfekt war, ist es dieser erst recht.

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