Backpacking-Kurztrip: Libanon in 3 Tagen

Januar 2016: 30% Rabatt auf alle Flüge bei Pegasus Airlines. Ich schaue spontan ein paar Wunschziele durch und finde sofort vergleichsweise billige Flüge nach Beirut. So weit, so gut. Was ich nicht finden kann, ist eine Möglichkeit wenigstens eine Woche frei zu machen. Ich mache mir mir selbst klar, dass es sich wohl kaum lohnt, wenn ich am Ende nur rund 72 Stunden im Libanon bin. Und dann buche ich – vernünftig wie immer – den Flug: Besser 3 Tage im Libanon als keinen.

Ankunft und Einreise

Irgendwann kurz vor Mitternacht übergebe ich meinen Reisepass dem jungen Grenzbeamten. Dieser blättert den Pass akribisch Seite für Seite durch. Am Ende angelangt, dann die Alles entscheidende Frage:

Have you ever been to Israel?

Wahrheitsgemäß antworte ich mit „Nein“. Ein tiefer Blick in meine Augen. Dann erst wird der Stempel im Pass platziert und darüber noch der handschriftliche Vermerk der maximalen Aufenthaltsdauer von einem Monat. Während er schon dabei ist, ihn mir zurück zugeben, hält der Grenzbeamte kurz Inne und hat eine weitere Frage parat: Ob ich denn vor hätte nach Syrien zu reisen. Klar. Nach einem weiteren „Nein“ halte ich dann meinen Reisepass zurück in meinen Händen.

Niemandem, den ich später im Land treffe, wurde eine dieser beiden Fragen gestellt. Ich habe an dem Tag anscheinend nicht sonderlich vertrauenerweckend ausgesehen.

Von Beirut aus durchs ganze Land

Das Gute am Libanon ist, dass er flächenmäßig klein ist. Von der Hauptstadt aus erkundet man in Tagestouren das ganze Land. Meine Vorbereitung beschränkt sich neben der Flug- und einer Mietwagenbuchung für einen Tag auf das Heraussuchen eines Hostels. Unweigerlich stößt man dabei auf das absolut empfehlenswerte Hostel Beirut. Ganz günstig ist es zwar nicht, dafür gibt’s täglich ein leckeres Frühstück und jede Menge interessante Leute. Die Lage in der Nähe des Ausgehviertels an der Armenia Street ist optimal und die Terrasse lädt zum quatschen bei einem kühlen libanesischen Bier ein.

Also setze ich mich kurz allein auf die Terrasse und trinke ein Bier. Kurz darauf stoßen ein paar weitere Jungs zu mir, die gerade von ihrer nächtlichen Kneipentour zurück kommen. Später am Morgen sei noch ein Platz im Taxi frei und ob ich nicht mit nach Baalbek wolle, werde ich gefragt. Baalbek. Ist das nicht dort, wovon das Auswärtige Amt „dringend abrät“ hinzufahren? Na klar komme ich mit.

Tag 1: Mit Mohamed in die Bekaa-Ebene

Nach ein paar Stunden Schlaf und einem schnellen Frühstück erwartet uns Mohamed, unser Taxifahrer, vor der Hosteltür. Wir, das sind zwei Briten, ein Amerikaner und ich. Unser Fahrer ist umgänglich und redet viel. Unterwegs werden wir an einem Checkpoint der Hisbollah herausgewunken. Unsere Pässe werden durchgesehen und dann geht es unproblematisch weiter. Auf der Fahrt legen wir einige Fotostopps ein. Als erste Sehenswürdigkeit hält unser Fahrer an etwas, das er fasziniert und ein bisschen stolz als „größten Stein“ beschreibt. Ich kann mir recht wenig vorstellen, was er damit meinen mag.

Stein der schwangeren Frau in Baalbek, Libanon
Stein der schwangeren Frau

Tatsächlich stehen wir vor und später auch auf einem riesigen Quader. Ich lese, dass den interessanten Namen „Stein der schwangeren Frau“ trägt. Er ist mit einem Gewicht von 1.000 Tonnen der zweitgrößte jemals gefundene Monolith. Gedacht war er als Baumaterial für den nahegelegenen Tempelkomplex, der unser nächstes Ziel darstellt.

Bacchustempel, Baalbek, Libanon
Bacchustempel

Und der ist absolut atemberaubend. Jeder für sich wandern wir über eine Stunde durch die Tempelanlage, die auch ein Museum einschließt. Nur ein einziger weiterer Tourist ist dort anzutreffen. Da ab dem Jahr 1900 die Ausgrabungen unter deutscher Leitung begannen, sind auch heute Informationstafeln in deutscher Sprache zu finden.

Beim Verlassen der Anlage erwartet uns ein Souvenierhändler und hofft uns eines seiner Hisbollah-Tshirts verkaufen zu können. Sachen gibt’s… Am Taxi treffen wir Mohamed. Nach einem ausgiebigen gemeinsamen Abendessen werden wir wieder vorm Hostel abgeladen. Insgesamt schulden wir ihm als Taxifahrer und Reisführer für diesen Ganztagesausflug 100 US$.

Tag 2: Mit dem Auto in den Süden des Libanon

Um richtig munter zu werden, gehe ich zu Fuß in die Innenstadt. Das Büro, in dem die Vertragsunterlagen ausgefüllt werden, ist ein fensterloser, wahrscheinlich als Abstellkammer konzipierter Raum des Le Grey Hotels. Übergeben bekomme ich einen fast wie neu aussehenden Ford. Nach meinen Verkehrsbeobachtungen am Vortag hoffe ich, dass er am Abend immer noch so aussieht.

Ein bisschen Propaganda bitte

Ich fahre in den Süden; genauer gesagt auf den Gipfel eines Berges nahe des Dorfes Mleeta. Dort befindet sich das „Mleeta Resistance Tourist Landmark“, ein von der Hisbollah betriebenes Museum, in dem sie ihre Sicht der Dinge bezüglich der Kriege mit Israel darstellt.

Hisbollah-Museum Mleeta Resistance Tourist Landmark, Libanon
Mleeta Museum

Ich parke auf einem fast leeren Parkplatz, der auf mich für so einen abgelegenen Ort überdimensioniert wirkt. Nach dem Kauf einer Eintrittskarte werde ich in eine Art Kino geschickt, wo meine Meinung mithilfe eines Videos vor Besichtigung der Anlage erst mal ordentlich ausgerichtet werden soll. Dort treffe ich auch den Einzigen weiteren Besucher an: eine Amerikanerin mit ihrem Guide. Von dort geht es weiter durch ein aufwändig gestaltetes Areal mit zerstörten israelischen Panzern und anderen Waffen. Darauf folgt ein Rundgang durch das Areal, von dem aus im Libanonkrieg 2006 gekämpft wurde.

Und noch etwas echte Kultur

Nachdem ich mir die volle Ladung Propaganda abgeholt habe, mache ich mich auf den Weg zu meinem zweiten Tagesziel: Tyros. Auf meiner Fahrt passiere ich einige Checkpoints, an denen ich nur durchgewunken werde. Die Einfahrt zu Nekropole und Pferderennbahn liegen zwar direkt an der Hauptstraße, ich fahre trotzdem zwei Mal daran vorbei, bis ich die Einfahrt finde. Die Reste des riesigen römischen Hipodroms sind UNESCO-Weltkulturerbe. Direkt am Meer gibt es weitere beeindruckende Areale mit Überresten antiker Bauten. Leider fehlen Hinweisschilder und Beschriftungen vollständig, was die Orte aber nicht weniger interessant macht. Zum Abschluss des Tages habe ich mir einen kurzen Spaziergang am schönen aber menschenleeren Strand gegönnt.

Tyros, Libanon

Die Rückfahrt in der Dunkelheit gestaltet sich abenteuerlich, da auch komplette Dunkelheit für viele Fahrer keinen Anlass zu bieten scheint, die Fahrzeugbeleuchtung einzuschalten. Bei der Rückgabe des Autos wird nur die Tankfüllung kontrolliert und ich laufe zurück zum Hostel.

Tag 3: Beeindruckende Natur

Für den nächsten Morgen haben wir uns wieder Mohamed bestellt. Heute sind neben mir noch eine Britin und ein Malaysier im Taxi. Also teilen wir heute die 100 US$ durch drei. Obwohl sich auch unser Fahrer nicht sicher ist, ob sie geöffnet hat, machen wir uns auf den Weg zur Jeita-Grotte. Und wir haben Glück: Die obere der beiden miteinander verbundenen Tropfsteinhöhlen ist für Besucher geöffnet. Schon wieder bin ich fasziniert und das nicht nur, weil es mein erster Besuch einer Tropfsteinhöhle überhaupt ist. Die Höhle unterteilt sich in mehrere Galerien, wovon die größte vom Boden bis zur Decke über 100 Meter misst. Wie gigantisch 100 Meter sein können, wird einem eigentlich erst richtig klar, wenn man dieses Ausmaß mit eigenen Augen sieht. Kameras und Handys müssen leider am Eingang abgegeben werden und sollte man doch eine Kamera mit in die Höhle schmuggeln, wird jeder Versuch ein Foto zu machen direkt vom Sicherheitspersonal vereitelt.

Danach wollen wir Zedern, also den „Nationalbaum“ der libanesischen Flagge, in echt sehen und zeigen Mohamed einen in relativer Nähe gelegenen Zedernwald in unserer Karte. Bis er es mit eigenen Augen sieht, ist er felsenfest der Meinung, dass wir dort keine Zedern finden werden. Wir bestehen trotzdem darauf dort hin zu fahren. Bei der Ankunft sind wir allesamt überrascht, tatsächlich welche vorzufinden. Außerdem gibt es in der bergigen Region die letzten Reste Schnee zu sehen. Die Temperaturen liegen aber auch dort zwischen 15 und 20 °C, weshalb man mit einem Pullover nicht frieren muss.

Während der Fahrt legen wir auf Wunsch einige Fotostopps ein. Unser Fahrer wählt selbstständig die schönsten Routen, um ans gewünschte Ziel zu kommen. Dabei legen wir auch ein paar Umwege ein, was die Tour wieder zu einem angenehmen Tagesausflug macht.

Wie kommt man in den Libanon?

Nichts leichter als das: ab Berlin, Düsseldorf, Hamburg und München fliegt Germania direkt. Ab Frankfurt ist Beirut durch Lufthansa und Middle Eastern Airlines angebunden. Darf es etwas günstiger sein, hat Pegasus Airlines manchmal gute Angebote für Umsteigeverbindungen über Istanbul beziehungsweise Athen.

Wie bezahlt man dort?

Offizielle Währung ist die Libanesische Lira, die einen fixen Umrechnungskurs zum US-Dollar hat (1.500 LL = 1 US$). Dadurch fällt das Umrechnen leicht; leider so leicht, dass Doller parallel zur Lira benutzt werden. Im kompliziertesten Fall bedeutet das, dass beide Währungen in einem Bezahlvorgang parallel verwendet werden; man bekommt beispielsweise sein Wechselgeld gemischt in Lira und Dollar. Damit sicher umgehen zu können, fordert sicher eine bestimmte Eingewöhnungszeit.

Sicherheit im Libanon

Bei einem Blick auf die Karte fällt auf, dass fast die komplette Landgrenze die Grenze zu Syrien darstellt. Da der Libanon selbst sehr klein ist hält man sich generell in einem Abstand von nur 50 bis (zum Beispiel in Baalbek) 10 km zur Grenze auf. Im Süden grenzt der Libanon an Israel. Beide Länder befinden sich seit 1948 offiziell im Kriegszustand.

Auch wenn das keinen Einfluss auf die touristischen Regionen hat, sollte es bei der Reisplanung beachtet werden. Informationen bietet das Auswärtige Amt. Details über die aktuelle Situation holt man sich am Besten über lokale Kontakte, zum Beispiel im Hostel, ein.

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