Gondel einer Selbahn in Algier

Backpacking in Nordafrika: Algerien

Ein weiteres unübliches Reiseziel, das ich nur empfehlen kann, ist Algerien. Mich hat das Land so begeistert, dass ich 2017 gleich zwei Kurztrips dahin eingelegt habe. Allein mein Beitrag über Ghardaia in der algerischen Sahara sollte niemanden lange daran zweifeln lassen, dass es gilt, sich auf Entdeckungsreise in das flächenmäßig größte Land Afrikas zu begeben.

Anreise nach Algerien

Von Deutschland aus kommt man nur von Frankfurt aus direkt in die Hauptstadt Algier. Sowohl die Lufthansa als auch Air Algérie bieten Flüge auf dieser Strecke an. Ich bin beide Male mit Air France ab Berlin über Paris geflogen. Das war wesentlich preiswerter als ein Direktflug von Deutschland. Diese habe ich über meine Lieblings-Flugsuche Momondo gefunden.

Visum für Algerien

Als Deutscher benötigt man für die Einreise nach Algerien ein Visum. Dieses muss je nach Wohnsitz entweder bei der algerischen Botschaft in Berlin bzw. beim algerischen Generalkonsulat in Frankfurt beantragt werden. Nach Angaben der Botschaft dauert die Bearbeitung eines Antrages ohne Ausnahmen 14 Tage. Deswegen ist eine rechtzeitige Beantragung wichtig.

Zusätzlich zum ausgefüllten Visumantrag werden Nachweise über eine Flugbuchung, eine Hotelreservierung und über eine bestehende Beschäftigung benötigt. Außerdem werden 60 EUR fällig.

Aktuelle und verbindliche Informationen sind auf der Webseite der algerischen Botschaft verfügbar.

Was gibt es in Algerien zu sehen?

Hauptmotivation meiner beiden Reisen war der Besuch von Freunden, die ich in Europa bzw. auf meiner ersten Reise nach Algerien kennengelernt habe. Deswegen habe ich mich im Vornherein nicht sehr mit Sehenswürdigkeiten auseinandergesetzt.

Die meiste Zeit habe ich in Oran und Algier verbracht. Diese Städte sind von französischer Architektur geprägt. Dort fühlt man sich teilweise wie in einer kleinen Kopie von Paris – nur weniger gepflegt und instand gehalten. Einige Beispiele aus der Hauptstadt Algier:

Außerdem gibt es in den Küstenstädten erhebliche Architekturbestände aus der osmanischen Herrschaftszeit. Weiter südlich wird man von der Sahara erwartet. Sie bietet ein komplett anderes Erlebnis als der Norden. Da ich insgesamt nur 2 Tage in der algerischen Sahara verbracht habe, steht für die Zukunft auf jeden Fall noch ein weiterer Besuch der Wüste an.

Viel wichtiger als alles, was es zu sehen gibt, sind aber die Menschen. In Punkto Gastfreundschaft ordne ich Algerien gleichauf mit dem Iran ein. Auch wenn die Sprachbarriere manchmal sehr hoch liegt, wird einem trotzdem stets weitergeholfen. In Algier bekam ich beispielsweise eine spontane zweistündige Führung nur mithilfe des Google Übersetzers. Oder von meinen insgesamt 15 im Land verbrachten Nächten, habe ich nur 2 in einem Hotel verbracht. Sonst konnte ich immer bei großartigen Menschen privat unterkommen.

Marktplatz in Beni Isguen, Ghardaia, Algerien
Im südlichen Algerien: Marktplatz in Beni Isguen

Unterkünfte in Algerien

Den Großteil der Hotelgäste machen Geschäftsreisende aus, weshalb die Unterkünfte auch auf diese zugeschnitten sind. Ein online buchbares Hostel und günstige Hotels sucht man vergeblich. Deswegen habe ich mich über TripAdvisor auf die Suche nach preiswerten Hotels in Algier gemacht. Trotz guter Bewertungen (4/5 Punkten) entsprach das von mir gewählte Hotel Suisse in keiner Weise dem Preis von über 70 EUR pro Nacht: Uralte Möbel in einem muffigen Zimmer, in dem neben mir noch einige Kakerlaken lebten. Aber davon lasse ich mir meine Urlaubslaune nicht trüben.

Denn sämtliche weitere Nächte komme ich über Couchsurfing bzw. bei algerischen Freunden unter. Einen Gastgeber zu finden scheint nicht schwer zu sein. Ich werde durch die Stadt geführt, zum Essen eingeladen, Freunden und Familie vorgestellt. Couchsurfing ist einem „günstigen“ Hotel in Algerien in jedem Fall vorzuziehen.

Jardin d'Essai du Hamma, Algier, Algerien
Jardin d’Essai du Hamma in Algier

Kommunikation

Obwohl Englisch unter jungen Algeriern in den großen Städten sehr verbreitet ist, kommt man schnell in Situationen, in denen die Kommunikation holprig verläuft. Ein großer Pluspunkt für eine Algerienreise sind Französischkenntnisse. Denn Französisch und natürlich die offizielle Amtssprache Arabisch werden landesweit gesprochen. Fehlende Sprachkenntnisse haben bei mir aber nie zu Problemen geführt. Irgendwie schafft man es immer sich zu verständigen.

Bezahlen in Algerien – Nur Bares ist Wahres

Kreditkarten spielen im algerischen Alltag keine Rolle. Bis auf sehr wenige Ausnahmen gibt es keine Möglichkeit mit Karte zu zahlen. Geldautomaten sind vorhanden und sollten mit Visa und Mastercard problemlos nutzbar sein. Das habe ich allerdings nie ausprobiert. Zusammen mit einheimischen Freunden oder Kontakten von Cousurfing habe ich mein Geld immer auf der Straße tauschen können. Dort bekommt man gut 50% mehr Dinar pro Euro als auf der Bank. So bekam ich beispielsweise pro Euro 190 Dinar statt der offiziellen 130 Dinar.

Algerische Dinar

Hintergrund für den blühenden Schwarzmarkt ist, dass Algerier nur einen äußerst geringen Dinarbetrag jährlich in Euro tauschen dürfen. Wer eine Reise nicht mehrere Jahre im voraus plant, ist deshalb auf diesen Bezugsweg angewiesen. Es ist üblich, dass man den Tauschbetrag vorher selbst nachzählen kann, bevor man den entsprechenden Eurobetrag übergibt.

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