Freitagsmoschee in Yazd, Iran

Backpacking im Iran – mit dem Rucksack durchs Land

Iran. Auf der Suche nach einem ausgefallenen Reiseziel, über das man auf jeden Fall viel zu berichten hat, stößt man unweigerlich auf ihn. Das man über ihn so viel erzählen kann, liegt nicht nur daran, dass einem nahezu jeder dutzende Fragen stellen wird. Es sind die atemberaubenden Städte, Landschaften sowie die freundlichsten Menschen, die ich je getroffen habe, was zum Geschichtenerzählen über den Iran einlädt.

Einreise

Mittlerweile ist die Einreise für bis zu 30 Tage möglich, ohne vorab bei der Botschaft ein Visum beantragen zu müssen. Um ein Visum bei Ankunft auf einem internationalen Flughafen im Iran erteilt zu bekommen, sollte man die Gebühren in bar (dazu später mehr) sowie vorsichtshalber Nachweise über eine gültige Auslandskrankenversicherung und zumindest die Adresse eines Hotels dabei haben. Auch wenn es absolut empfehlenswert ist Couchsurfing zu nutzen, bringt es sicher keine Bonuspunkte das an offiziellen Stellen zu erwähnen und eine Hoteladresse zu kennen, kann auch in diesem Fall nicht schaden.

Propaganda in Teheran, Iran
„Verzierung“ der ehemaligen US-Botschaft

Fortbewegung

In der Hauptstadt Teheran ist das Mittel erster Wahl die moderne und zu jeder Tageszeit gnadenlos überfüllte U-Bahn. Der Eintritt in die Unterwelt kostet zwischen 10 und 20 Cent und ist damit wohl kaum zu unterbieten. Es gibt ein gesondertes Frauenabteil, das von Männern, wie auch der zugehörige Bahnsteigabschnitt, nicht genutzt werden darf. Frauen hingegen haben freie Platzwahl und können in jeden beliebigen Teil des Zuges einsteigen. In anderen Städten sind Taxis das Fortbewegungsmittel.

Eine normale Fahrt kostet meist nicht mehr als 2 oder 3 Euro – manchmal ist etwas Verhandlungsgeschick gefragt. Auf den Preis einigt man sich vor dem Einsteigen, oft auf Englisch, sonst mit Stift und Papier oder einfach nur den Fingern. Einzig die Fahrt vom Flughafen IKA in die Stadt schlägt mit einem fixen Preis von fast 20 Euro zu buche.

Der schnellste Weg weite Strecken zurückzulegen sind sicher die relativ günstigen Inlandsflüge. Allerdings empfehle ich wärmstens (Nacht-)Züge und Busse zu nehmen. Auf vielen Strecken hat man bei Bussen die Wahl zwischen der normalen und der VIP-Variante. Letztere hat nur 3 breite Sitzplätze mit hochstellbarer Fußstütze pro Reihe. Wie auch im Zug sind ein kleines Süßigkeitenpaket und Wasser inklusive. Fahrkarten gibt es vor Ort über Reisebüros und pro 100 km Fahrtstrecke muss man 1 bis 2 Euro einkalkulieren.

Iranerinnen in Pasagardae

Los geht die Reise

Ankunft in Teheran…

… nachts um 3. Nachdem ich ohne Probleme einen Stempel neben mein Visum bekommen habe, ging es erst mal zur Wechselstube. Denn wenn es eine wichtige Sache gibt, die man über den Iran wissen muss, ist es die Tatsache, dass Kreditkarten dort praktisch wertlos sind. Sämtliche benötigten Geldmittel müssen in bar eingeführt und in Rial umgetauscht werden. Das macht man in privaten Geldwechselstuben, deren Wechselkurse anders als bei Banken nicht staatlich reguliert sind, und man dadurch gern mal 30% mehr Rial für den Euro bekommt. Hält man dann ein dickes Bündel Geld in den Händen, ist der komplizierteste Teil der Reise geschafft. In die Stadt geht es vom Flughafen per Taxi zu einem fixen Preis, der am Taxistand aushängt.

Dichtes Gedränge auf dem Basar in Teheran, Iran
Dichtes Gedränge auf dem Basar in Teheran

Mein persönliches Highlight in der 10-Millionen-Einwohner-Stadt war der Große Basar. Hier verläuft man sich mehr als nur ein Mal, was aber wegen der schieren Farbenpracht und der zu sammelnden Eindrücke alles andere als schlimm ist. Nur genug Zeit sollte man einplanen. Faszinierend war, dass ich zwar keine gefälschten Markensachen finden konnte, jedoch sämtliche Zutaten zum „Selberbauen“: von Markenlabels auf Rolle bis hin zur passenden Einkaufstüte. Mal was anderes.

Weiter steht der Golestan-Palast, ein UNESCO Weltkulturerbe, auf dem Pflichtprogramm der Stadtbesichtigung. Leider habe ich es zeitlich nicht geschafft, den sechsthöchsten Fernsehturm der Welt zu erklimmen. Der sich von dort bietende Blick muss atemberaubend sein. Der Grund dafür war ein Treffen mit einem Kontakt von Couchsurfing. Zu zweit ließen wir den Tag mit einem Besuch in einem gemütlichen Teehaus sowie einem Spaziergang ausklingen.

Auf in den Süden

Und das mit dem Nachtzug: Abfahrt am Teheraner Hauptbahnhof gegen 16 Uhr; Ankunft in Shiraz ca. 15 Stunden später am frühen Morgen des nächsten Tages. Was sich nur Anhand dieser Zahlen nach einem Höllenritt anhört, kann ich nur wärmstens empfehlen. Man kommt in gemütlichen 4er-Abteilen unter, die – für mich überraschenderweise – nicht nach Geschlechtern getrennt sind. In meinem wartete bereits eine dreiköpfige iranische Familie auf mich, die zwar leider kein Englisch sprach, aber mich nach einer kleinen Vorstellungsrunde munter und fröhlich fotografierte und filmte und auch darauf bestand ihre mitgebrachten Naschereien mit mir zu teilen. Ein Glück, dass „Danke“ auf persisch „Merci“ heißt und ich mich nicht mit einem Zungenbrecher herumärgern musste. Als ich nach einem längeren Aufenthalt im Speisewagen – dort habe ich einen anderen Europäer getroffen und beim Gespräch die Zeit vergessen – wieder zu meinen Mitfahrern zurückkehrte, war mein Bett schon hergerichtet. Umgezogen wird sich anscheinend vor dem Schlafengehen nicht. Vor Abendessen und Ankunft hat der Zug jeweils einen Gebetsstopp eingelegt, was meine Abteilgenossen ebenso amüsant fanden wie ich selbst.

Gewürze auf dem Basar in Shiraz, Iran
Gewürze auf dem Basar in Shiraz

Einmal in Shiraz hat man das Gefühl wirklich in Persien angekommen zu sein: Atemberaubende Moscheen, ein Basar mit unzähligen Teppich- und Gewürzhändlern, Gärten und eine Zitadelle wie aus einem Bilderbuch inmitten der Stadt. Man glaubt kaum im selben Land zu sein wie am Tag zuvor. Um gemütlich alle Sehenswürdigkeiten erkunden zu können, reichen 2 Tage. Der täglich 24 Stunden geöffneten Schrein des Schah Tscheragh („König des Lichts“) ist nachts wunderbar beleuchtet, weshalb sich ein Besuch nach Sonnenuntergang am meisten lohnt. Außerdem ist Shiraz die perfekte Basis für einen Tagesausflug zu den historischen Stätten Persepolis und Pasargadae.

Freitagsmoschee in Shiraz, Iran
Freitagsmoschee in Shiraz

Zu Besuch bei Aladin

Besser als mit dieser Überschrift kann man das zauberhafte Yazd nicht beschreiben. Das Titelbild dieses Beitrages zeigt den Blick über die niedrigen Dächer der Altstadt mit ihrer Lehmarchitektur und mit der alles überragenden Freitagsmoschee. Viele dieser alten Lehmhäuser besitzen beeindruckende Windtürme; sozusagen historische Klimaanlagen. Bei einem Stadtspaziergang mit ein paar Backpackern, die ich im Hostel kennengelernt habe, rief uns ein Teppichhändler zu sich in den Laden und ließ uns vom Dach seines Hauses über die Stadt blicken. Dort sind auch meine schönsten Fotos entstanden. Anschließend gab es bei einer Tasse Tee eine Vorführung seiner besten handgefertigten Teppiche; wunderbare Stücke, die aber auch ihren Preis haben. Der günstigste gezeigte Perser kostete 600 US$, die meisten anderen deutlich über 1500 US$. Teppichhändler sind auch die einzigen Etablissements, in denen man generell mit Kreditkarte zahlen kann. Ob mit oder ohne vorherigem Teppichkauf wird der Besuch in Yazd durch die Besichtigung eines zoroastrischen Feuertempels abgerundet. Darf man Wikipedia glauben, handelt es sich bei dem Zoroastrismus um die am stärksten wachsende Religionsgemeinschaft im Land und mit derzeit rund 25.000 Mitgliedern.

Amir Chakmak-Moschee in Yazd, Iran
Amir Chakmak-Moschee in Yazd

Isfahan

Von Yazd aus ist es zu der Stadt mit dem so schön klingenden Namen für iranische Verhältnisse nur ein Katzensprung. Mein Besuch dort hat mir gezeigt, das Couchsurfing im Iran nicht nur möglich, sondern auch mehr als empfehlenswert ist, um ihn kennen zu lernen. Deshalb gibt es hier eine detaillierte Beschreibung „Couchsurfing im Iran“.

33-Bogen-Brücke in Insfahan, Iran
33-Bogen-Brücke in Insfahan

Ich begann meinen Stadtrundgang an der Freitagsmoschee. Wie in jeder Stadt im Land sollte man sich von Nichts und Niemanden davon abhalten lassen, den örtlichen Basar zu besuchen. Was soll ich noch groß dazu sagen? Teppiche, Gewürze, Tees und alles erdenkliche Andere; die Mischung aus Farben und Gerüchen sowie die Architektur lassen  jeden Markt einzigartig erscheinen. Von der Freitagsmoschee kommend, erreicht man am Ende des Basares das eigentliche Highlight der Stadt: den Platz des Imams, einem der größten Plätze der Welt. Abschließen kann man seine Tour an der nachts wunderbar beleuchteten 33-Bogen-Brücke. Nach der Anzahl der Menschen, die sich dort aufhalten, scheint sie ein sehr beliebtes Ausflugsziel vieler junger Iraner zu sein.

Menschen – Wie sind Iraner so drauf?

Das habe ich mich vor meiner Abreise oft gefragt. Aber jede noch so positive Erwartungshaltung wäre übertroffen worden. Man gewöhnt sich schnell an das „Welcome“, mit dem man so oft von wildfremden Menschen im Vorbeigehen begrüßt wird. Wurde ich in Teheran noch oft gefragt, woher ich komme, wurde mir an anderen Orten sofort die Frage gestellt, ob ich Deutscher sei. Sieht man verloren aus, wird einem sofort Hilfe angeboten und das oft in gutem Englisch. Man bekommt Telefonnummern, wird nach Hause eingeladen. Man wird auf der Straße in Gespräche verwickelt, bekommt einen Tee ausgegeben, usw.

Ich hatte stets den Eindruck Willkommen zu sein und die Menschen, die ich getroffen habe, haben mich als Touristen herzlich Empfangen. Ich kann gar nicht erwarten, wieder in den Iran zu reisen und mich verzaubern zu lassen.

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