Fenster eines nubischen Hauses in Abri

Abri: Nubische Kleinstadt im Norden Sudans

Abri gehört ja nunmehr fest zu jeder Reise, die über den Landweg durch den Sudan führt – egal ob aus Ägypten kommend oder nach Ägypten reisend. Die Ursache dafür ist recht schnell ausgemacht: So viele Leute reisen (noch) nicht in dieses unbekannte Land und die, die es machen, folgen den wenigen Empfehlungen. Diese kommen aus Reiseblogs, wie againstthecompass.com oder dem Lonely Planet Africa Reiseführer. Und allesamt sagen sie: „Fahr nach Abri“. Dem leiste ich Folge.

Unterkunft in Abri

Gleich an der Hauptstraße steht ein neu aussehendes Hotel. Kleopatra mit Namen, wenn ich mich recht erinnere. Wohl jeder Backpacker wird nach den zahlreichen Empfehlungen in Megzoub’s Nubian Guest House unterkommen. Dieses liegt direkt am Nil und ist schon dadurch dem Hauptstraßenhotel überlegen.

Megzoub ist ein freundlicher aber auch geschäftstüchtiger Nubier. Jeden Tag hat er neue Geschichten aus seinem Leben zu erzählen. Bei diesen würde es mich ausnahmslos wundern, wenn auch nur die Hälfte davon wahr ist. Unterhaltsam sind sie auf jeden Fall.

Megzoubs Guest House in Abri, Sudan
Mein Zimmer während laufender Renovierungsarbeiten

Während meines Besuches im Dezember 2018 fanden gerade größere Renovierungsarbeiten statt. Sein Ziel: Mehr Geld mit schöneren Zimmern verdienen. Ob es in Zukunft auch noch Zimmer zum Preis von 5,50 bis 7,50 Euro gibt, bleibt abzuwarten. Die Vermietung erfolgt immer mit dem Zusatz, auf jedem Fall den anderen nicht zu verraten, wie viel man bezahlt hat.

Auf Höhe des Gasthauses befindet sich im Nil eine kleine Sandinsel, die nach eigener Aussage Megzoub gehört. Natürlich gibt es zu Megzoub Island eine eigene interessante Geschichte. Für Rund 4 Euro pro Nacht und Person lässt er Gäste auch darauf campen. Auf die Frage, ob es Krokodile gibt, antwortet er mit nein.

Anfahrt nach Abri

Nichts leichter als das. Von Wadi Halfa bzw. Dongola aus der entgegengesetzten Richtung fahren täglich regelmäßig Minibusse mit Halt in Abri. Abfahrt ist, wie immer, wenn der Bus voll ist. Das kann im dümmsten Fall auch schon mal bis zu einer Stunde dauern. Der Preis lag (egal welche Richtung) bei knapp unter 3 Euro.

Halt ist an der Hauptstraße. Der Fußweg bis zu Megzoub beträgt ca. 2km. Für die Faulen wartet im Normalfall auch ein Taxi an der Hauptstraße. Dieses sollte bis zum Guesthouse nicht mehr als einen Euro kosten.

Warum Abri?

Nubisches Dorfleben

Noch ein paar Tage zuvor war ich in Luxor und habe nicht nur positive Erfahrungen mit den Leuten dort gemacht. Deshalb bin mehr als positiv angetan, wie herzlich und offen ich in Abri empfangen werde.

Bei meinen Erkundungstouren durch den Ort sowie umliegende Dörfer werde ich oft angesprochen, soll Fotos der Leute schießen und werde von einem Englischlehrer zum Tee nach Hause eingeladen. Das schlage ich natürlich nicht aus.

Nubische Bauern beim Bestellen der Felder in Soleb bei Abri, Sudan
Nubische Bauern beim Bestellen der Felder

Durch die so entstehenden Kontakte erfahre ich auch von einem lokalen Fußballspiel, das ich mir natürlich nicht entgehen lasse. Es spielt Abri gegen … ja, wer weiß das schon so genau 😀

Soleb Tempel

Der Tempel in Soleb ist die bekannteste Attraktion in der Nähe Abris. Das liegt hauptsächlich an den einschlägigen Reiseblogs sowie der Tatsache, dass es dort auf jeden Fall mehr zu sehen gibt, als zum Beispiel auf Sai.

Diesmal bin ich mit 2 Japanerinnen unterwegs. Über Megzoub organisieren wir ein Auto in das kleine Dorf Wawa. Dafür berappen wir zusammen rund 11 Euro. Dort warten wir auf den Bootsmann, der uns für ca. 5,50 Euro über den Nil bringt.

Genau dort könnte es schwierig werden, den Besuch auf eigene Faust zu unternehmen. Ich sehe sonst kein weiteres Boot am Ufer Wawas und unser Bootsmann kam mit dem Auto. Der wird also nicht so leicht auffindbar sein. Aber möglich ist alles 🙂

Soleb Tempel in der Nähe von Abri, Sudan
Soleb Tempel

Im Unterschied zu Ägypten ist hier wie zu erwarten keine Menschenseele. Das macht den Besuch so besonders. Mehr als eine halbe Stunde wandern wir durch die Ruine. Diese ist, vor allem da mein Besuch Abu Simbels noch gar nicht lange her ist, vergleichsweise unspektakulär. Ich bin trotzdem fasziniert und genieße die Einsamkeit.

Sai Island

Sai Island beherbergt zwei Sehenswürdigkeiten: einen ägyptischen Tempel und eine mittelalterliche Ruine. Besser gesagt gibt es die wenigen Reste zu sehen, die von diesen Bauwerken übrig sind.

Viel beeindruckender finde ich die Tatsache, dass der Boden an beiden Ruinenstätten mit zigtausenden Scherben alter Vasen und Krüge übersät ist.

Tonscherben auf Sai Island, in der Nähe von Abri im Sudan
Abertausende Tonscherben liegen dort verstreut

Zusammen mit einer Deutschen und einem Kanadier lassen wir uns von Magzoub ein Motorboot organisieren. Für die Fahrt (irgendwas zwischen einer halben und einer Stunde) sowie zwei Stunden Wartezeit zahlen wir zusammen rund 14 Euro.

Ägyptischer Tempel auf Sai

Interessiert laufen wir vorsichtig durch die alten Tempelmauern und finden dabei auch einige wenige Hinweise, die auch einen Laien erkennen lassen, dass es sich wahrscheinlich um ein ägyptisches Bauwerk handelt.

Leider habe ich bisher keine weiteren historischen Fakten über das Bauwerk finden können. Auf einem der Steine soll sich laut Wikipedia der Name Amenhoteps IV befinden, der gegen 1335 v.Chr. gestorben sein soll.

Die mittelalterliche Kirche auf Sai

Auch davon ist eher wenig erhalten: Zwei Säulen stehen noch recht passabel und eine dritte neigt sich 45-Grad-Winkel dem Boden entgegen. Dazu gibt es noch ein paar Mauern sowie die obligatorischen Tonscherben am Boden.

Mittelalterliche Kirche auf Sai Island in der Nähe von Abri, Sudan
Fundstück vor den Säulen der Kirche auf Sai Island

Der Beweis, dass es sich um eine Kirche handelt, findet sich übrigens an den noch stehenden Säulen: Dort sind oben die Kreuze deutlich zu erkennen 😉

Jebel Abri

Mein Besuch des Jebel Abri kann getrost in die Kategorie Unnötig verbucht werden. Wie es so auf Reisen ist, war der Besuch eine ziemlich spontane Entscheidung. Zusammen mit einer Österreicherin, die ich in der Unterkunft kennengelernt habe, lassen wir uns von Magzoub zum Fuße des Berges fahren.

Magzoubs Auto in Abri, Sudan
Auf der Rückfahrt geht Magzoubs Auto auch noch kaputt…

Auf die vorherige Fragen, ob sich denn ein Ausflug lohne und ob es überhaupt einen Weg auf den Berg gibt, antwortet er mit ja. Einfach so. Wie sich später rausstellt, war er nämlich noch nie dort und hat zurzeit auch kein Interesse, weil es zu kalt und windig ist.

Am Fuße des Jebel Abri

Irgendwie klettern wir, teils auf allen Vieren, im Geröll höher und höher. Irgendwo, auf vielleicht 2/3 Höhe wird es mir dann zu viel … sicher fühle ich mich nämlich auf dem losen Untergrund überhaupt nicht. Meine Wanderpartnerin macht sich dann noch auf dem Weg zum Gipfel.

Gesehen haben wir aber beide eher wenig, da der Wind viel Sand in der Umgebung aufwirbelt.

Amara West

Mit Sai Island und Jebel Abri habe ich schon versucht, Abwechslung in das „Standardprogramm“ für das kleine Städtchen zu bringen. Amara West ist eine weitere Ausgrabungsstätte in der Nähe. Diese zu erkunden, überlasse ich einem zukünftigen Entdecker. Das aber nur, da ich niemanden finde, der bereit ist, sich die Kosten für ein Boot zu teilen.

Der Zustand der Ausgrabungsstätten ist wahrscheinlich ähnlich derer auf Sai Island. Das Britische Museum hat eine eigene Seite zu deren Ausgrabungsarbeiten in Amara West sowie eine mehr als 100seitige Broschüre darüber in Englisch und Arabisch.

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